Blog

Allergie: Eine allgemeine Einführung

von Dr. Richard Kirchmair

Spinne ich, spinnt mein Körper - Oder?

Eine eher ungewöhnliche Patientengeschichte. Ein etwas unglücklicher Patient sitzt vor meinem Schreibtisch. „Was kann ich denn für Sie tun? ‚NICHTS!‘ faucht er. Meine Frau schickt mich!“ Oh je. Die Herausforderung für jeden Arzt.

Aber nein, es geht nicht um Schnarchen…

Allergie: Eine allgemeine Einführung - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Gewohnte Morgen-Routine…

Jeden Morgen Abhusten, Verschleimung und Dauerräuspern. Aber den Patienten stört es nicht. Die Untersuchung zeigt nur etwas blasse Schleimhäute, alles andere unspektakulär und nicht wegweisend. Nun sind solche Beschwerden bei uns Männern im Laufe des reiferen Lebens so ungewöhnlich auch wieder nicht. Aber eine Ursachensuche macht Sinn. Will der Patient aber nicht.

Also der symptomatische Versuch mit einem Cortisonnasenspray. Holla, nach drei Wochen drastische Besserung? Nun wird die Abklärung doch akzeptiert. Und um es kurz zu machen: eine ausgeprägte Allergie auf Hausstaubmilben war das bisher nicht bekannte Geheimnis.

Eine Allergie?

Aber nun, was ist „es“ denn? Eine Allergie? Jedenfalls kommt in den folgenden Wochen wieder eine Blogserie.

Grundsätzliches, zum Verständnis.

Ganz grundsätzlich braucht unser Körper ein Immunsystem. Das ist dafür zuständig Bakterien, Viren, und und und … abzuwehren. Natürlich ist das viel komplexer, da unsere Umwelt ja noch viel mehr bereit hält, um uns zu unterstützen oder auch anzugreifen. Das Immunsystem muss also zwischen Freund, Feind und Neutral unterscheiden. Bei Krankheitserregern geschieht das über spezielle Antigene der Erreger.

Unser Immunsystem baut nun Antikörper gegen diese Erreger. Mit deren Hilfe kann ein Angreifer niedergerungen werden. Ist dies erfolgreich geschehen, merkt sich das Immunsystem den Angreifer eine ganze Zeit und kann bei erneutem Kontakt sofort reagieren, so dass wir gar kein zweites Mal krank werden.

Die große Kunst unseres Immunsystems ist nun eben die Unterscheidung Feind, Freund oder einfach Neutral. Freunde und Neutrale soll es ja in Ruhe lassen.

Neutral = Feind?

Hier liegt der Hase im Pfeffer. Es kommt eben vor, dass unser Immunsystem auf völlig neutrale und letztlich harmlose Antigene in unserer Umwelt zu reagieren beginnt. Das ist dann letztlich eine allergische Reaktion.

Je nach Antigen können schon sehr geringe Mengen des Antigens in der Umwelt allergische Reaktionen auslösen. Das heißt, dass letztlich das Immunsystem die harmlosen Antigene in unserer Umwelt mit krankheitsauslösenden Antigenen verwechselt und reagiert.

Wichtig im Beurteilen und Verstehen von Allergien ist, dass neben dem Nachweis von Antikörpern gegen das Antigen auch entsprechende Symptome vorliegen.

Zurück zum Anfang

In unserem obigen Beispiel heißt das, dass ein beschwerdefreier Mensch mit dem Nachweis von Antikörpern gegen die Hausstaubmilbe kein Allergiker wäre. Erst die Beschwerden und der Nachweis von Antikörpern erlaubt die Diagnose: Allergie gegen …XYZ.

Letztlich ist also ein überaktives Immunsystem, das neutrale Antikörper unnötig bekämpft der Auslöser für die Allergie.

Die Lungenfach- und HNO-Ärzte haben schwerpunktmässig mit Allergien zu tun. Die Schleimhäute der Atemwege sind ja die ersten Barrieren gegen Antigene. Natürlich betrifft das auch die Augen- und Hautärzte. Da gerade auch die Augen und die Haut Barrieren gegen „Außen“ darstellen.

Einfach ist die Vermutung auf typische Symptome: Augenjucken, Naselaufen, Gaumenjucken und trockener Reizhusten.

Komplexer wird das Ganze bei Kloßgefühl, Hautausschlägen, Druck hinter dem Brustbein, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Und es kommen immer mehr unspezifische Symptome hinzu. Chronische Nebenhöhlenentzündungen, Polypen und Asthma sind nicht selten auch mit Allergien vergesellschaftet. Nicht zuletzt Nahrungsmittelallergien.

Also ein weites Feld.

Ich werde von heute an jede Woche einen weiteren Aspekt beleuchten.

Zurück

Artikel teilen