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Behandlungs­optionen einer Allergie

von Dr. Richard Kirchmair

Zur Erinnerung. Ich schreibe über Allergien des sogenannten Sofort Typs I. Das Umfasst etwa 90% aller allergischen Reaktionen. Durch eine Sensibilisierung bildet das Immunsystem Immunglobulin des Typ IgE gegen das Allergen. Besonders bekannt sind eben Allergien auf Baum-, Gräserpollen, Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Reaktionen an den Schleimhäuten und auch der Haut sind die häufigsten Symptome.

Behandlungs­optionen einer Allergie - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Natürlich gibt es auch Allergien der Typen II bis IV. Die sind aber nicht Gegenstand der bisherigen Blogs.

Nach einer Erhebung der Vorgeschichte, ist es wichtig dem Verdacht auf eine solche Allergie nachzugehen.

Testverfahren

Neben den lange bekannten Hauttestungen (z.B. sogenannte Pricktestungen) bieten sich Bluttestungen (die Suche nach dem spezifischen IgE) und nicht zuletzt auch Provokationstestungen an.

Symptomorientierte Behandlungsoptionen

Steht die Diagnose, dann kommt die Behandlung ins Spiel. Grundsätzlich stehen mehrere Optionen zur Verfügung. Wo immer möglich, steht die Karenz ganz oben, d.h. die Vermeidung des Allergens. Bei Erdnussallergien grundsätzlich einfacher, als bei den Birkenpollen. Dennoch ist es gut, den Kontakt mit dem Allergen so niedrig wie möglich zu gestalten.

Dann kommen Stoffe ins Spiel, die die allergische Reaktion unterdrücken. Hier wird die Bildung von Histamin vermindert oder Andockstellen für Histamin im Körper durch das Medikament besetzt. So wird die allergische Reaktion wirkungsvoll reduziert. Einige der sogenannten Antihistaminika wirken auch entzündungshemmend und verhindern so allergische Spätfolgen. Diese Medikamente sind lange auf dem Markt, ihre Wirkung erwiesen und meist sind sie nebenwirkungsarm.

In den letzten Jahren immer weiter verbreitet und mittlerweile sogar rezeptfrei zu erhalten sind Kortison Nasensprays. Kortison ist ein umstrittenes Medikament. Dabei oft zu unrecht. Vor allem als Nasen- oder Lungenspray ist es hoch effektiv. Das Kortison Spray wirkt entzündungshemmend und antiallergisch. Darüber hinaus wird es überwiegend nur in die Schleimhaut aufgenommen und auch dort wieder abgebaut. So werden kaum Kortison Nebenwirkungen im Körper provoziert. (Siehe auch: Kurzblog: Cortison)

Versagen Antihistaminika und Cortisone, dann gibt es mittlerweile Antikörper Behandlungen. Die Behandlungen sind hoch effektiv, aber auch noch sehr teuer. Bei diese Behandlungen werden künstliche Eiweiße gespritzt, die die Antikörper des Patienten binden. So blockieren sie die allergische Reaktion. Gerade bei ganzjährigen Allergien wie der Hausstaubmilbe eine hoch effektive Behandlung.

Diese Behandlungen sind alle symptomorientiert.

Gibt es denn keine ursächliche Behandlung?

Der aufmerksame Leser meiner Blogs kennt die Antwort.

Ja, es gibt die Hyposensibilisierung. Geringe Dosen des allergieauslösenden Stoffes werden appliziert. So wird die Reaktion des Körper langsam reduziert. Bei gut 80% der Allergiker ist eine Besserung erreichbar. Diese Behandlung gibt es mittlerweile für Bäume, Gräser und Hausstaubmilbe als orale Medikamente. In Form von Tropfen, Sprays und Tabletten werden regelmässig die Allergene oral zugeführt. Alternativ gibt es diese Behandlungen auch als Spritzen. Neben Kurzzeitbehandungen vor der Saison gibt es auch ganzjährige Therapieverfahren. Hier werden die Allergene in Form von Spritzen in die Streckseite des Oberarms injiziert. Oft vergehen 7 bis 8 Wochen zwischen den einzelnen Spritzen. Die Therapieerfolge sind vergleichbar.

Ja war es das wirklich?

Diese Frage wird mir in der Praxis immer wieder gestellt. Was gibt es denn auf naturheilkundlicher oder komplementärer Basis?

Zuerst muss ich hier einen kleinen Irrtum klären. Naturheilkundliche, oft pflanzenbasierte, Behandlungsverfahren sind seit vielen Jahrzehnten fester Bestandteil der sogenannten Schulmedizin. Diese Verfahren müssen sich einer Überprüfung genauso stellen, wie das von chemischen Substanzen erwartet wird.

Und schon der erste Punkt auf der sogenannten alternativen Behandlungsliste wird seit Jahren intensiv untersucht und auch kontrovers besprochen. Die Darm-Behandlung mit Pro- und Präbiotika. Immer deutlicher zeigt sich ein protektiver Effekt, wenn die Substanzen in der Schwangerschaft gegeben werden auf Allergieentstehung beim Kind. Auch scheint die Gabe von diesen Biotika die allergische Reaktion in der Allergiesaison reduzieren zu können. Es wird intensiv geforscht und beobachtet. Einen Einsatz durch erfahrene Therapeuten scheint absolut vertretbar.

Balneotherapieverfahren, wie wir sie von Pfarrer Kneipp kennen, sind ebenfalls dazu geeignet die allergische Reaktionen zu reduzieren. Wechselbäder oder Wassertreten gehören zu den Klassikern der Bädertherapie. Auch andere Bäderbehandlungen, die Inhaltsstoffe wie z.B. Kohlensäure, Kochsalz, Jod, Schwefel, Radon, Moor oder Kohlendioxid nutzen können die überschiessende Reaktion des Immunsystem reduzieren.

Die in Deutschland mittlerweile verbreitete Akupunktur wird noch sehr unterschiedlich besprochen. Während die Weltgesundheitsorganisation die Wirkung der Akupunktur bei Allergikern bejaht, gibt es eine neuere Studie der Charité, die diesen Effekt nicht nachvollziehen konnte. Mir scheint die traditionelle chinesische Medizin, zumindest begleitend, eine weitere Behandlungsoption zu sein.

In der kommenden Woche kommen noch weitere Behandlungsverfahren in den Blog!

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