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Biosimilars: Dasselbe und das Gleiche sind eben nicht Dasselbe!

von Dr. Richard Kirchmair

Groß war der Aufschrei in der Ärzteschaft Ende letzten Jahres, als die Pläne des Gesundheitsministers bekannt wurden, Biosimilars Generika gleichzustellen. Im ersten Moment klingt das ja ganz wunderbar: Günstigere Alternativen bei gleich hoher Versorgungsqualität wurden in Aussicht gestellt. Der Apotheker sollte das preisgünstigere Präparat an den Patienten weitergeben. Doch ist das wirklich so einfach?

Biosimilars: Dasselbe und das Gleiche sind eben nicht Dasselbe! - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Biosimilars vs. Generika

Biosimilars sind deutlich komplexer aufgebaut als Generika. Bei der chemischen Herstellung von Arzneimitteln ist derselbe Aufbau des Präparats zu 100% möglich, weshalb auch Generika genau dieselbe Wirkung erzielen wie das Originalpräparat. Bei der biotechnologischen Herstellung von Medikamenten hingegen hat nur dieselbe Charge des Referenzpräparats auch eine identische Zusammensetzung und Wirkung (Vergleichen Sie hierfür auch unseren Blog zum Thema „Biologicals“: Starke EU = Starke Gesundheit: Ein medizinischer Wahlaufruf!). Biologika und dementsprechend Biosimilars können ergo niemals genau gleich – nie Dasselbe - sein.

Herstellung von Biosimilars

Biosimilars werden wie Biologicals in lebenden Zellen gewonnen. Das Referenzprodukt wird exakt im Hinblick auf dessen Struktur, Zusammensetzung, Wirkung im menschlichen Körper und dessen Bauplan analysiert. Das Ziel ist es, die Herstellungsanleitung, die eine Zelle dazu bringt, ein Medikament zu produzieren, so genau wie möglich nachzuahmen. Biosimilars dürfen nicht weiter von ihrem jeweiligen Referenzprodukt abweichen als dessen Chargen untereinander. Sie müssen die gleiche Wirkung aufweisen und eine vollwertige Therapiealternative bieten. Damit soll mehr Patienten Zugang zu modernen Arzneimitteln gewährt werden.

Zu komplex? Ein wenig Anschaulichkeit vonnöten? In Ordnung …

Übertragen wir die medizinische Komplexität in die Kunstwelt. Der kleine Pablo Picasso bekam die Kunst des Zeichnens von seinem Vater gelehrt. Dieser malte Tauben par excellence, immer wieder dasselbe Motiv. Und doch war jede einzelne Taube, obwohl sie an sich untereinander gleich waren, eine kleine Nuance anders. Der Vater ist also die Masterzelle unseres Biologikums, die Taube das Biologikum an sich. Der kleine Pablo („die Nachahmerzelle“) kam natürlich nicht darum herum, unter Anleitung seines Vaters ebenfalls weiße Federtierchen für das Esszimmer zu produzieren. Diese ähnelten denen seines Vaters auf fast identische Weise, alle Merkmale waren dieselben und dennoch waren kleine feine Unterschiede zu sehen: das Biosimilar der Kunstwelt war erschaffen! Dass seine berühmte Taube der des Vaters zumindest an Popularität überlegen war, wirft die Frage auf, ob Biosimilars womöglich sogar besser wirken können?

Bitte fragen Sie Ihren Arzt und (in diesem Fall) nicht den Apotheker!

Auf Grund der hochindividuellen Therapie mit Biologika und Biosimilars und den damit auch verbundenen Nebenwirkungen muss die Entscheidungshoheit, welches Präparat der Patient bekommt, beim Arzt liegen. Es handelt sich eben nicht um austauschbare – um dieselben – Medikamente. Man muss genau analysieren, welches biotechnologische Arzneimittel beim jeweiligen Patienten wirkt. Es kann durchaus sein, dass auch ein Biosimilar das Mittel der Wahl ist und für Sie die bessere Alternative darstellt. Diese Entscheidung kann nur ein Arzt treffen, der Ihren individuellen Krankheitsverlauf kennt.

Fazit:

Keine Pauschalisierungen, bitte! Komplexe Medikamente fordern komplexe Entscheidungen!

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