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Das allergene Potential der Baumpollen

von Dr. Richard Kirchmair

Was läge für die Hals-Nase-Ohrenheilkunde näher als mit den Symptomen einer Allergie in Augen, Ohren, Hals und Nase zu beginnen?

Die Überraschung über die Vielfalt von Allergiebeschwerden ist groß. Natürlich kennt fast jeder das berühmte Augen- und Nasejucken sowie Niessattacken. Ja auch der Dauerschnupfen mit klarem Sekret ist ein wohl bekanntes Phänomen. Typisches Leitsymptom sind auch die geschwollenen und geröteten Augen.

Das allergene Potential der Baumpollen - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Aber!

Wie schon im letzten Blog geschrieben. Das ist allenfalls eine kleine, wenn auch typische Auswahl.

Keineswegs selten erlebe ich als Leitsymptome Mundatmung, Kopfschmerzen oder Druck und Schmerzen über den Nasennebenhöhlen. Auf Anhieb ja schnell mit den Symptomen eines Infektes verwechselt.

Auch ein Druck auf den Ohren, so wie wir es von Landeanflügen mit dem Flugzeug kennen, kann neben dem Gefühl „Dreck“ in den Ohren zu haben, auf eine Allergie hindeuten.

Halsschmerzen, trockener Reizhusten, Verschleimungs- oder Fremdkörpergefühl sind weitere Puzzleteile. Auch Halsschmerzen, oft eher am Morgen sind Indizien für ein allergisches Geschehen.

Kann man nun von den Symptomen auf das Allergen schließen? Schön wäre es. Eine erste Einschätzung bringt da der Zeitverlauf. Ganzjährig, im Frühjahr, im Sommer oder einzelne Höhepunkte im Jahr.

Die vermeintliche Erkältung, die jedes Frühjahr im März beginnt und trotz aller Behandlung erst Ende April abklingt, könnte ein Hinweis aus eine Allergie auf mittelblühende Bäume sein. Spitzenreiter der lichte Baum in Europa, die Birke.

„Klassiker“ Baumpollen

Bleiben wir heute bei den Bäumen. Die üblichen Verdächtigen hier in Schwaben sind die Pollen der Hasel, der Erle, der Esche, der Birke und der Eiche. Die feinen Baumpollen dienen ja im Grunde der Fortpflanzung der Bäume und werden kilometerweit vom Winde getragen. Die Hoffnung, die meist in der Frage nach dem Fällen der Birke im eigenen Garten gipfelt, sei so schon wieder genommen. Alle oben genannten Symptome können bei einem Allergiker während der Baumblüte auftreten.

Nahrungmittelallergie durch Pollen?

Aber damit keineswegs genug. Schließlich gibt es hier die sogenannte Kreuzallergie. Wir nennen dies ein orales Allergiesyndrom. Nach dem Genuss von Äpfeln, Aprikosen, Karotten, Sellerie, Kirschen, Haselnüssen oder Birnen kann ein Kratzen im Hals auftreten. Einzelne Eiweißbausteine dieser Nahrungsanteile werden vom Immunsystem mit Proteinen der Pollen verwechselt. Also eine Art pollenverursachte Nahrungsallergie. Neben dem Halskratzen, sind Schwellungen von Rachen, Lippen und Zunge oder Jucken in diesem Bereichen zu beobachten. Kinder, die eine Allergie haben verweigern oft intuitiv diese Lebensmittel.

Das orale Allergiesyndrom kann ganzjährig auftreten, in der Pollenflugzeit oft intensiver. Noch dazu höchst variantenreich. Der eine Apfel wird problemlos vertragen, der andere nicht. Die seit Jahren gern und problemlos vertragenen Nüsse machen urplötzlich Beschwerden.

Diagnose über den „Tellerrand“ hinaus…

Wie fast immer in der Medizin ist die erste Hürde die Diagnose. Denken Sie also nicht nur bei den typischen Beschwerden an eine Allergie. Die oben beschriebenen Symptome, sollten Sie sensibilisieren. Es könnte eine Allergie dahinter stecken. Denn auch der Asthmatiker bemerkt bei einer Allergie eventuell „nur“ die Intensivierung seiner typischen Asthmabeschwerden. Bei solchen Verdacht, suchen Sie Ihren Arzt auf, sprechen Sie ihn auf Ihren Verdacht an.

Eine Hauttestung bringt schnell eine Orientierung. Wenn Sie Medikamente nehmen, die den Hauttest behindern oder eine überreaktive Haut haben, dann kann heute das spezifische Immunglobulin-E (IgE) im Blut Klarheit bringen. Die Bluttestungen sind unabhängig von Hautreaktionen und den meisten Arzneimitteln.

Behandlungsoptionen

Steht die Diagnose, dann gibt es ja zum Glück inzwischen eine Riesenpalette von Behandlungsoptionen. Zuerst einmal das Vermeiden der Allergieauslöser. Tabletten gegen die Allergiereaktion, Nasensprays und Augentropfen. Nicht zuletzt die Hyposensibilisierung, die inzwischen neben den gefürchteten Spritzen auch für viele Allergene eine Tabletteneinnahme des Allergenextraktes ermöglichen.

Keine Sorge in den kommenden Wochen werde ich ausführlich auf die Optionen, deren Vor- und Nachteile eingehen.

Bleiben Sie gespannt.

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