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Das Rot von gestern ist der Tumor von morgen

von Dr. Richard Kirchmair

2015 – das Jahr der Sonne – was für ein Sommer ist das gerade! Wer die ganze Woche in der Arbeit, fernab von Wasser und Strand lebt, klaut sich schon mal unter der Woche eine längere Mittagspause oder fristet das komplette Wochenende irgendwo draußen am See. Lässt sich bestrahlen – ähm, besonnen – und ähnelt nicht weniger oft einem Hummer nach dem Tauchgang in siedendem Wasser.

Wussten Sie, dass ein Sonnenbrand gar keine Hitzeverletzung ist? Also keine Wärmeverbrennung? Ein Sonnenbrand ist im Grunde eine Verstrahlung. Bei Fukushima und sonstigen AKW-Nachrichten stellen wir immer die Lauscher und sind total besorgt. Ebenso besorgt sollten wir aber auch mit den täglichen Sonnenstrahlen umgehen – auch hier in unseren Breiten.

Das Rot von gestern ist der Tumor von morgen - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Es sind die sogenannten UV-B-Strahlen, welche die Haut bestrahlen und sie je nach Hauttyp und Bestrahlungsdauer leider nicht immer in ein schönes Braun färben. Oftmals sind – bei zu wenig Schutz – die Rottöne gefragt. Hinzu kommt, dass – wie bei einer Bestrahlung mit radioaktivem Material auch – es zu sogenannten Strangbrüchen in der DNS kommt. Da haust das Erbgut. Mit jedem neuen Sonnenbrand kommen mehr Brüche hinzu. Die spürt und sieht man zunächst einmal gar nicht. Aber sie sind da! Und wir schaffen uns nicht selten damit bösartige Tumore, wie z.B. den schwarzen Hautkrebs.

Nun weiß der gemeine Sonnenanbeter, dass es genügend Produkte gibt, die einmal auf die Haut aufgetragen, schon den ersten Schutzwall bieten. Also wird sich fein von unten nach oben, von vorne und meist auch von hinten, eingecremt. Mal mehr oder weniger akribisch. Bis wohin die Armlänge, oder auch die Lust des „Eincremers“, gereicht hat, wird meist nach 30 bis 60 Minuten sichtbar. Leopardenähnliche Befleckung in rötlicher Verfärbung sind die ersten Anzeichen.

Als allererstes erwischt es aber die Körperstellen mit den dünnsten Hautpartien, wie Nase, Wangen, Stirn und Fußrücken.
Und die Ohrmuscheln! Die Öhrchen werden am meisten vernachlässigt. Oder denken Sie daran, Ihre Ohren oder die Ihrer Kinder immer schön ordentlich einzucremen, vielleicht auch mit einem Sun-Blocker? Und am besten noch mit schattenspendendem Sonnenhut zu schützen? Damit meinen wir: Ohren verstecken und nicht erst recht durch eine ohrabspreizende Baseball-Kappe der Sonnenbestrahlung noch besser aussetzen.

Was wir des Öfteren in unserer Praxis sehen, sind Sonnenbrände auf den Ohren mit einer enormen Blasenbildung. Also wirklich verbrennungslike – wenn auch eine Strahlenverbrennung, wie wir ja jetzt wissen. Vor der Blasenbildung reicht immer eine sofortige Kühlung – also mal 10 Minuten ein in kaltes Wasser getauchtes Handtuch drauflegen. Manche schwören auch auf Quark- und Buttermilchumschläge. Frisch aus dem Kühlschrank. Tinkturen mit Obstessig, Zitronensaft oder auch verdünnter Brenneselsud können helfen, weil die Säuren den Wiederaufbau des gerade in die Grätsche gegangenen Säureschutzmantels anregen. Und raus aus der Sonne. Für die nächsten Tage!

Bei Blasenbildung bitte Finger weglassen. Nicht einstechen oder gar aufschneiden. Die Gefahr, sich eine Infektion durch Verunreinigung einzufangen, ist einfach zu groß. Besuchen Sie lieber in diesem Stadium den Arzt Ihres Vertrauens.

Und vergessen Sie nicht, wenn Sie von Anfang an sorgsam mit den Sonnenstrahlen umgehen, ersparen Sie sich mit zunehmendem Alter teure Anti-Aging Produkte oder operative Eingriffe. Die UV-B-Strahlen kommen nämlich nicht alleine – sie werden begleitet von den UV-A-Strahlen. Und das sind die „Tiefentöter“ – sie dringen nämlich besonders tief in die Hautstruktur ein und schädigen dort das Kollagen. Das Kollagen hält Ihre Haut zusammen, fest, elastisch. Ist das kaputt, dürfen Sie sich zeimlich früh über besonders viele und tiefe Falten freuen.

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