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Die Hausstaubmilbe, der ungelie­bte Bettgenosse

von Dr. Richard Kirchmair

In den letzten Blogs ging es um Allergien im Allgemeinen, um Bäume und um Gräser. Ja, da fehlt noch sehr viel an potentiellen Allergieauslösern.

Heute geht es um die Hausstaubmilben.

Die Hausstaubmilbe, der ungelie­bte Bettgenosse - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Ein Hinweis in eigener Sache

Einige Leser bedauerten das Fehlen naturheilkundlicher Therapieansätze. Keine Sorge, dem Kapitel Therapie und gerade den Alternativen zu Cortison-Nasensprays, Antihistaminika und der Hyposensibilisierung widme ich einen eigen Blog. Kommt alles noch!

Symptomatik

Die Symptome auf Allergene können sehr typisch sein: Naselaufen, Augen- und Gaumenjucken. Aber eben auch ganz unspezifisch: Reizhusten, Räusperzwang, Verschleimung, Müdigkeit, Hautausschläge, Ohrenentzündungen und geschwollenen Nasenschleimhäute sind nur ein kleiner Abriss möglicher Symptome.

Einen Verdacht auf Allergie zu erarbeiten und dann eine valide Diagnostik durchzuführen, ist gar nicht so selbstverständlich. Zuletzt müssen die Symptome und die getestete Sensibilisierungen auch noch zusammen passen. Denn nicht jede auf der Haut oder im Labor nachgewiesene Sensibilisierung ist einer Allergie zuzuordnen.

Auf was reagiert der Hausstauballergiker?

Die Allergie auf Hausstaub ist recht bekannt. Aber auf was kommt die allergische Reaktion zustande? Wirklich auf den Staub? Die Staubmäuse unterm Bett?

NEIN!

Dann auf die winzig kleinen (0,1 bis 0,5 mm) Hausstaubmilben? NEIN sehr sehr selten! Die Reaktion entsteht auf die Ausscheidungen (Kot) der Hausstaubmilben. Darüber existieren Allergene hinaus im Inneren der Milben (viel weniger). Der Kot ist im Hausstaub gebunden und die Kombination aus Staub und Kot atmen (inhalieren) wir ein.

Zur eingeschränkten Freude aller, gehören die Hausstaubmilben zur Gruppe der Spinnentiere und sind praktisch weltweit vorhanden. Die Tiere sind völlig harmlos, sie stechen und beißen nicht, ernähren sich von Hautschuppen, Schimmelpilzen und Resten von Mehlprodukten. Die niedlichen Tiere leben 2 bis 4 Monate und sondern in der Zeit bis zum 200-fachen ihres Eigengewichtes an Kot ab. Das Märchen, die Hausstaubmilben liessen Rückschlüsse auf die Hygiene eines Haushaltes zu, ist eben nur ein Märchen. Die Tiere gibt es überall dort, wo sie Nahrung finden.

Wir liefern (leider) Nahrung im Überfluss

Wir Menschen verlieren täglich bis zu 2 Gramm Hautschuppen, die so gut eine Million Milben ernähren. Die Hautschuppen sammeln sich in den Matratzen, in Polstermöbeln und schlecht saugbaren Teppichen besonders gerne an. Extreme Trockenheit, Höhe und extreme Kälte mögen diese Tiere nicht so gern. Besonders im Mai bis Oktober vermehren sich die Tiere hier bei uns unter Wärme und idealer Feuchtigkeit. Jetzt fragen sich die Allergiker, warum dann die Beschwerden so ab Oktober besonders intensiv werden? Einfach erklärt: Mit dem Beginn der Heizperiode wird es bei uns kühler und trocken. Die Milben sterben massenweise und der angesammelte Kot und die Allergene aus dem Körperinneren führen zur Intensivierung der Beschwerden.

Die Heizungsluft steigt in den Räumen auf und verteilt so die Milbenausscheidungen wunderbar im Raum. Alle Raumbewegungen, etwa durch Aufschütteln der Betten, Staubsaugen oder auch nur die Bewegung der Menschen wirbeln die Milbenreste und den Kot auf.

Allergiker atmen den Staub ein. Es kommt an den Schleimhäuten zu Allergiereaktionen vom sogenannten Soforttyp (Allergietyp I). Der Körper bekämpft die vermeintlichen Aggressoren mit Immunglobulin E Antikörpern. Dies führt zur eine Freisetzung von Histamin. Und genau jetzt wird’s wieder tricky! Das Histamin kann sowohl direkt an der Schleimhaut der Atemwege oder auch weiter entfernt Entzündungsreaktionen auslösen. So eben kann auch eine immer wieder kehrende Entzündung der Haut, zum Beispiel im Gehörgang durch eine Allergie ausgelöst sein. Die Reaktionen an Nase, Rachen Bronchien und Lunge sind jedoch wesentlich häufiger.

Und wie grenzt man nun die Allergie auf die Hausstaubmilbe ab. Gar nicht so einfach. Ein Hinweis ist das intensivere Beschwerdebild in den vier Wänden. Das oft ganzjährige Beschwerdebild und nicht selten intensivere Beschwerden Nachts und am Morgen. Gerade in der HNO ist das Abgrenzen gar nicht so einfach, da zum Beispiel durch die Allergie häufigere Infekt entstehen können. Die Allergie, zum Beispiel beim Kind, nun von den oft schicksalhaft häufigen Infekten zu differenzieren, ist gar nicht so einfach. Auch die Hausstaubmilbe hat eine hohe Potenz einen Etagenwechsel zu verursachen. Gerade bei fehlender Behandlung, kann es zu Asthma kommen. Beim Kind wird geschätzt, dass ca 75% der Asthmafälle auf Allergien zurück zu führen sind.

Und die Diagnose?

Das Wichtigste ist zuerst einmal an die Möglichkeit eines Hausstaubmilbenallergie zu denken. Hinweise können eben neben den typischen Symptomen an Nase, Augen, Rachen und Lunge, auch Hautprobleme, Infekthäufungen und Reizhusten sein. Auch Müdigkeit, morgendliche Verschleimung und Druck hinter dem Brustbein sind Indizien.

Diagnostiziert wird auch in den Fällen über die Hauttestungen (Pricktestungen) oder spezifische IgE im Blut. Sollte diese Testverfahren keine Sicherheit erbringen, kann auch mittels nasalen oder bronchialen Provokationen getestet werden.

Die Behandlung?

Ja häusliche Vorkehrungen. Staubfänger minimieren. Staub reduzieren und den Kontakt mittels Encasing reduzieren. Encasing meint milbendichte Matratzenüberzüge, die auf der einen Seite die Milben nicht durchlassen, aber auf der anderen Seite Wasserdampf (Schwitzen) durchlassen. Natürlich muss ein solcher Bezug die Matratze komplett umschliessen. Waschbar ist auch wichtig, da wir ja weiter Hautschuppen auf den Überzug verlieren. Für die Umwelt wäre auch ein recyclebares Material sinnvoll.

Medikamente wie die bei den schon besprochenen Allergien auf Bäume und Gräser. Also Antihistaminika und ggf. Kortison-Sprays.

Und zuletzt auch die Hyposensibilisierung. Die Option gibt es wieder als täglich einzunehmende Allergietropfen oder -tabletten. Oder als sogenannte ganzjährige „Spritzenkuren“, die nach Erreichen der Therapiedosis alle 4 bis 7 Wochen in die Streckseite des Oberarmes gespritzt werden. Ziel ist es, die bestehende Überempfindlichkeit zu reduzieren.

Keine Sorge, wie eine solche Behandlung aussieht, werde ich in den nächsten Wochen noch genau besprechen.

Zusammenfassung! Das wichtigste bei der inhalativen Allergie auf die Hausstaubmilben ist das daran denken! Gerade bei nicht typischen Symptomen.

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