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Gefährliches Weihnachten: Äpfel, Nuss und Mandelkern …

von Dr. Richard Kirchmair

Äpfel, Nuss und Mandelkern gehören wohl nicht erst seit Theodor Storm’s Gedicht zu den typischen Weihnachtszutaten. Doch nicht alle Menschen können sorglos zugreifen. Allergien können den Genuss vergällen oder sogar lebensgefährlich werden lassen.

Gefährliches Weihnachten: Äpfel, Nuss und Mandelkern … - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Gerade Nussallergien gehören zu den häufigsten Allergien auf Lebensmittel. Unter den Nüssen sind vor allem Hasel- und Walnüsse, seltener Mandeln die Auslöser. Leichtere Reaktionen äußern sich durch Rötung, Schwellung, Juckreiz, Kratzen, Brennen oder Kribbeln im Bereich von Lippen, Zunge und Mundschleimhaut. Das fühlt sich unangenehm an, schwerere Folgeerscheinungen sind jedoch eher selten. Meist tritt diese Reaktion in Verbindung mit einer Allergie auf Pollen früh blühender Pflanzen – bspw. Birke, Erle, Hasel – auf. Dieses Phänomen wird „orales Allergiesyndrom“ genannt und beruht auf einer so genannten Kreuzreaktion. Das bedeutet, dass das Immunsystem nicht nur auf Oberflächeneigenschaften (=Allergene) der Planzenpollen überreagiert, sondern z. B. auch auf die von Hasel-, Walnüssen oder Mandeln. Grund dafür ist, dass sich die Oberflächeneigenschaften ähneln. Während der Flugzeit der Pollen können sich aufgrund dieser Kreuzreaktion auch die Beschwerden auf Haselnüsse verstärken. Eine solche Kreuzreaktion kann übrigens auch den Genuss von Äpfeln schmälern.

Allergische Reaktionen auf Haselnüsse bzw. Mandeln können jedoch auch ohne Vorhandensein einer Kreuzreaktion entstehen. Haselnüsse oder seltener Mandeln können „im Alleingang“ schwere allergische Reaktionen mit Atemnot und Kreislaufzusammenbruch hervorrufen. Lippen, Augenlider und Mundschleimhaut können erheblich anschwellen, die Haut kann sich röten und Quaddeln ausbilden (so genannte Urtikaria). Möglich sind auch Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall und Krämpfe. Die Anzeichen einer allergischen Reaktion stellen sich meist unmittelbar ein, können jedoch auch mit Verzögerung von einigen Stunden auftreten.

Ein Sonderfall ist die Erdnuss. Das beginnt schon damit, dass sie botanisch gar keine Nuss ist, sondern eine Hülsenfrucht. Auch die Erdnuss kann ein orales Allergiesyndrom hervorrufen, das milde verlaufen kann. Andererseits kann auch die Erdnuss „im Alleingang“ allergische Reaktionen verursachen. Diese Reaktionen können sehr drastisch ausfallen: Beim Erdnussallergiker kann schlimmstenfalls schon der Hautkontakt, das Einatmen kleinster Partikel oder der Verzehr kleinster Bruchstückchen (1-2 mg) lebensbedrohliche Reaktionen entstehen lassen.

Wie lässt sich feststellen, ob eine Nussallergie vorliegt?

Das Immunsystem ist dafür zuständig, zu erkennen, welche „Eindringlinge“ für den Körper gefährlich sind und welche nicht. Manchmal macht es jedoch seine Arbeit zu gut und attackiert auch Eindringlinge, die im Grunde genommen harmlos sind, so beispielsweise Bestandteile von Nahrungsmitteln. Wesentlich beteiligt an dieser Überreaktion sind Antikörper, die gezielt gegen Bestandteile der „Eindringlinge“, so genannte Allergene gerichtet sind. Diese „spezifischen“ Antikörper lassen sich im Blut nachweisen.

Beim so genannten „Pricktest“ werden Allergene der verdächtigen Nahrungsmittel in die Haut geritzt. 
Als Folge der Reaktion zwischen dem eingeritzten Antigen und den im Körper vorhandenen Antikörpern kann sich die Haut röten, anschwellen und sogar Quaddeln bilden.

Finden sich im Blut Antikörper, es zeigt sich bspw. eine Hautreaktion beim Pricktest, heißt das jedoch nicht automatisch, dass auch eine handfeste Allergie vorliegt, die entsprechende Beschwerden hervorruft. Es bedeutet zunächst, dass eine so genannte „Sensibilisierung“ vorhanden ist. Das heißt, der Körper hat spezifische Antikörper gebildet. Selbst bei einer nachgewiesenen Sensibilisierung muss es beim Kontakt mit dem Allergen, d.h. dem Nahrungsmittel, jedoch nicht notwendigerweise zu allergischen Beschwerden kommen.

Was ist zu tun bei einer Nussallergie?

Ist eine Nussallergie bekannt, gibt es nur eine Möglichkeit, schweren Reaktionen vorzubeugen: Die auslösenden Nüsse müssen vom Speiseplan gestrichen werden. Nüsse kommen allerdings in vielen Lebensmitteln vor, in denen man sie erst einmal nicht vermutet. Eine ausführliche Ernährungsberatung ist daher dringend zu empfehlen. Ein Notfallset kann im Falle eines Falles lebensrettend sein. Die darin enthaltenen Medikamente werden ärztlich verschrieben und auch die korrekte Anwendung muss vorher ausführlich besprochen werden. Und: Es hilft natürlich nur dann, wenn man’s auch dabei hat. Sprechen Sie uns hierzu gerne an.

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