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Gräserpollen: Das Kreuz mit den Kreuz­allergien

von Dr. Richard Kirchmair

Sind Sie allergisch? Nö, nur Heuschnupfen.

Die Antwort ist gar nicht so selten in einer Arztpraxis. Ist denn Heuschnupfen keine Allergie? Doch. Eine sogenannte inhalative Allergie. Auch die Reaktion auf Gräserpollen läuft nach den bekannten Schemata ab. Der Körper verkennt völlig harmlose Pollen als potentielle Aggressoren. Nun läuft auch hier die typische Reaktionskaskade ab. Zum Glück sind nicht alle Gräserpollen Allergie auslösend. Aber einige üblich Verdächtige gibt es schon. Die sogenannten Süßgräser dominieren die Gräserallergene. Das sind etwa Getreide (z.B. Roggen), Knäuelgras, Ruchgras, Lolchgras, Wiesenlieschgras und Wiesenrispengras.

Gräserpollen: Das Kreuz mit den Kreuz­allergien - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Ein Vertreter glänzt hierbei mit besonderer Aggressivität, die Roggenpollen. Roggenfelder sind in Deutschland häufig. Die Roggenpollen sind nicht nur besonders aggressiv, sondern auch mit besonders vielen Pollen besetzt. Eine Pflanze produziert bis zu 21 Millionen Pollen.

Symptome im Urlaub?

Die Gerste spielt in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle, kann aber auch massive Allergieprobleme auslösen. In Ländern, in denen die Gerstenfelder verbreiteter sind, wie im Mittelmeerraum, kommt es durch Gerste zu massiven Problemen. Wichtig ist dies, wenn z.B. in Italien massive Probleme auftreten. Da muss an die Gerste gedacht werden, die bei Allergietestungen in Deutschland oft gar nicht getestet wird.

Wenig bekannt, aber auch sehr aggressiv, sind die Allergien auf Mais. Allerdings fliegen die Pollen nicht weit, daher kann es nur unmittelbar am Maisfeld zu allergischen Problemen kommen. Auch Glatthafer produziert viele Pollen und ist von hoher allergologischer Relevanz. Zum Glück hat der Glatthafer aber eine nur niedrige Kreuzreaktivität.

Und dann der Beifuß. Ja, ein aggressives Allergen und Kreuzallergen. Vermutlich das Leitallergen für die Kräuterallergien. Auch ein hochpotentes Kreuzallergen für Kräuterallergien. Wie etwa das Kräuter-Gewürz-Syndrom. Kreuzallergien (siehe: Das allergene Potential der Baumpollen) können auf Anis, Curry, Fenchel, Kamille, Karotte, Knoblauch, Koriander, Kümmel, Lorbeer, Paprika, Pfeffer, Sellerie und Senf auftreten.

In den letzten Jahren nimmt die Bedeutung von Ragweed (Ambrosia) kontinuierlich zu. Die nach Europa eingewanderte Beifußambrosie ist in den USA eine der häufigsten Allergene. Die Sensibilisierungen nehmen auch in Deutschland kontinuierlich zu. Sie blüht von August bis September. Aber die allergischen Beschwerden können bereits vor und deutlich nach der Blüte noch auftreten. (Siehe auch: Göttliche Ambrosia? Weit gefehlt …)

Häufige Kreuzreaktivität

Grundsätzlich ist bei Gräserpollenallergien auch die häufige Kreuzreaktivität auf andere Gräser zu erwähnen. Also kann etwa der Roggenpollenallergiker auch auf viele andere Gräserpollen reagieren, da der Körper die Gräserpollen mit Roggen verwechselt.

Im letzten Blog ging es ja bei Kreuzallergien auch um das Verwechseln der Pollen mit Lebensmitteln. Das kommt natürlich auch bei den Gräser und Kräuterpollen vor.

Gräserallergiker reagieren oft mit Bohnen, Erbsen, Erdnüsse, Linsen und Soja, Selten kommen Reaktionen auf Currygewürz, Honigmelonen, Kartoffeln, Kiwi, Mangold und Spinat vor.

Beifußallergiker können auf Anis, Artischocke, Basilikum, Currygewürz, Dill, Estragon, Fenchel, Karotte, Knollensellerie, Kümmel, Majoran, Muskatnuss, Oregano, Paprika, Petersilie, Pfeffer (weiß und schwarz), Pizzagewürz, Sonnenblumenkerne und Wermut kreuz reagieren.

Diagnostik und Testung

Die Diagnose wird letztlich mit Hilfe der Vorgeschichte (Anamnese) gestellt. Der Verdacht gründet sich auf die typischen Beschwerden zur passenden Jahreszeit. Bei Augentränen, Schnupfen, Nase. Laufen, Halsschmerzen und Hustenreiz steht oft die Idee des akuten Infektes dahinter. Meist lässt sich durch die Dauer, die typischen Symptome und das jährlich wiederkehrende Ereignis der Verdacht äußern.

Die Testung erfolgt wie bei den Bäumen durch Hauttestungen (Pricktests) oder Bluttests (spezifisches IgE). Sollte bei negativen Testungen der Verdacht bestehen bleiben, lassen sich auch Provokationen mit Standart Allergielösungen durchführen.

Die Behandlung…

Ja, ein weites Feld. Aber grob gesagt wieder allgemeine Massnahmen zur Immunstabilisierung, das Antihistaminikum, das lokale Kortison Nasenspray oder die Hyposensibilisierung.

Dazu mehr in den kommenden Wochen!

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