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Hansdampf in allen Gassen: Vitamin D

von Dr. Richard Kirchmair

Eigentlich ist es gar kein Vitamin. Es ist ein Hormon und der Körper kann es sowohl über die Nahrung aufnehmen als auch selbst herstellen. Über den Ausgangsstoff Cholesterol verfügt der Körper in ausreichenden Mengen in der Haut. Schwieriger wird es bei einer weiteren Zutat, dem UVB-Licht. Kein Problem an sonnigen Sommertagen. Wohl aber im Winter – zumindest in unseren Breitengraden.

Hansdampf in allen Gassen: Vitamin D - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Vitamin D, um bei der landläufigen Bezeichnung zu bleiben, ist ein echter „Hansdampf in allen Gassen“. Seine bekannteste Aufgabe ist die Sicherstellung der Festigkeit der Knochen. Vitamin D sorgt dafür, dass den Knochen genügend Kalzium zur Verfügung steht. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass es auch den Knochenaufbau direkt fördern kann. Daher hat es auch seinen festen Platz beispielsweise in der Behandlung der Osteoporose. Andockstellen, so genannte Rezeptoren für Vitamin D gibt es jedoch in praktisch allen Körpergeweben. Über den Knochenstoffwechsel hinaus hat Vitamin D viele weitere Funktionen, deren Bedeutung noch nicht vollständig bekannt ist sind.

Es spielt wohl eine Rolle bei der Ausdifferenzierung von Zellen und beim Verhindern einer unkontrollierten Zellteilung. Weiterhin kann es das Immunsystem unterstützen, Entzündungen entgegenwirken und die Regulierung des Zuckerstoffwechsels fördern. Zudem ist es wohl für eine reibungslose Muskelfunktion von Bedeutung.

Aufgrund seiner vielfältigen Wirkungen wird derzeit diskutiert, ob Vitamin D in der Vorbeugung chronischer Erkrankungen eine Rolle spielt. Entsprechende Hinweise gibt es für Krebs, die Zuckerkrankheit, Multiple Sklerose, Demenz, Depression, Morbus Parkinson, Herz-Kreislauf- und Lungen-Erkrankungen. Gute Gründe also, den Körper gut mit diesem Multitalent zu versorgen.

Vitamin D-Produktion: Sommers hui, winters pfui

Im Sommerhalbjahr ist eine ausreichende Vitamin D-Produktion nicht allzu schwierig. Dafür muss man sich nämlich nicht lange der Sonne aussetzen. 2- bis 3-mal pro Woche Gesicht, Arme und Hände für ein Drittel oder die Hälfte der Zeitspanne, die eine gerade sichtbare Hautrötung hervorruft. Bei heller Haut sind das maximal 10 Minuten, bei dunkleren Hauttypen entsprechend mehr. Die gute Nachricht: Helle Haut kann die UVB-Strahlung auch besser ausnutzen. Die schlechte Nachricht: Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit der Haut ab, Vitamin D zu bilden.

Generell schwierig, mit der Produktion von Vitamin D in der Haut, wird es während des Winterhalbjahres. Dann steht die Sonne tief und der für die Produktion erforderliche UVB-Anteil im Sonnenlicht ist gering. In Deutschland ist wohl etwa 6 Monate pro Jahr eine ausreichende Vitamin D-Produktion schwierig bis unmöglich; es herrscht „Vitamin-D-Winter“.

Die Vitamin D-Versorgung über die Nahrung ist im Vergleich zur Eigenproduktion von untergeordneter Bedeutung. Zudem ist sie auch nicht ganz so einfach: Nennenswerte Mengen von Vitamin D finden sich lediglich in Fettfischen wie Makrele oder Thunfisch. Geringere Mengen sind z. B. in Leber, einigen Pilzen, Milchprodukten und in Eigelb enthalten. Von diesen Nahrungsmitteln müssten jedoch recht große Mengen gegessen werden, um die empfohlenen 200 I.E. Vitamin D pro Tag zu erreichen. Wobei dieser Wert für gesunde Erwachsene gilt, für Kinder und Senioren werden 400 I.E. empfohlen.

Sind Sie ausreichend versorgt mit Vitamin D?

Um die individuelle Versorgung mit Vitamin D einschätzen zu können, wird die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D im Blut, d. h. im Serum bestimmt. In Deutschland gilt eine Konzentration von mindestens 20 ng/ml als ausreichend; international jedoch werden 20-29 ng/ml als ausreichend, über 30 ng/ml als optimal angesehen.

Für den Ausgleich eines Vitamin D-Mangels stehen Medikamente in unterschiedlich hohen Dosierungen zur Verfügung. Über die Dosierung und die Dauer der Einnahme entscheidet Ihr Arzt/Ihre Ärztin.

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