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Hirntumore: Doch kein Freispruch für Handystrahlen?

von Dr. Richard Kirchmair

Immer wieder tauchten in den letzten Jahren Meldungen über die Schädlichkeit von Handystrahlen auf. Zunächst schien die Datenlage das Handy freizusprechen. Zusammengefasst hieß es immer wieder „nix Genaues weiß man nicht“. Große wissenschaftlich fundierte Studien legten jedenfalls den Schluss nahe, Handystrahlung verursache keine Tumore.

Hirntumore: Doch kein Freispruch für Handystrahlen? - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Dennoch: Die Meinungen blieben geteilt. Die einen verteufelten das Handy und seine Strahlung, die anderen wiegelten ab.

Beiden Seiten fehlten letztlich endgültige Beweise. Den Kritischen blieb ein ungutes Gefühl. Fundierte Empfehlungen? Fehlanzeige! Und nun? Ein italienisches Gericht hat einem Kläger recht gegeben, der vermutet, durch die Arbeit am Handy einen Tumor im Bereich des Hörnerven entwickelt zu haben.

Doch welche Daten stehen denn derzeit überhaupt zur Verfügung?

Eine sorgfältig aufgebaute Studie ist die so genannte Interphone-Studie. Sie fand bereits 2011 Hinweise auf einen möglichen schwachen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und zwei Formen von Tumoren: Schwannome im Herzen (entstehen an der Umhüllung von Nervenzellen) und Gliome (entstehen im Gehirn). Und genau so ein Schwannom am Hörnerv hat laut Presseberichten der italienische Handynutzer entwickelt.

Inzwischen gibt es eine neuere Studie vom National Toxicology Program (NTP). Sie stellt bei männlichen Ratten einen schwachen Zusammenhang zwischen Handystrahlung und zwei Tumorarten fest. Einerseits ist der Zusammenhang schwach, andererseits gibt es weltweit extrem viele Handys, die laufend benutzt werden. Nach wie vor ist die Datenlage intransparent, eine abschließende Klärung ist derzeit nicht in Sicht.

Gibt es Schutzmöglichkeiten?

Was können Sie tun, um sich so gut wie möglich zu schützen?

  • Nutzen Sie so oft wie möglich das Festnetz, gerade für längere Telefonate.
  • Halten Sie Telefonate am Handy eher kurz.
  • Telefonieren Sie mit einem Headset. Die Handystrahlung ist relativ schwach; Entfernung schützt.
  • Schreiben Sie Kurznachrichten; auch dabei ist das Handy weit weg vom Kopf.

Und meine persönliche Empfehlung? Greifen Sie zum Äußersten und reden Sie mal wieder „live und in Farbe“ von Mensch zu Mensch.

Sie werden überrascht sein, wie nett ein so unmittelbarer Kontakt sein kann!

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