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Ich bin schon ganz schwindlig

von Dr. Richard Kirchmair

Die zweite Winterhälfte und das sommerliche Frühjahr hatten es in sich!

Zuerst die Grippewelle. Ich bin ja schon lange Arzt, aber eine solche Fülle von Grippepatienten, war bisher die große Ausnahme. Nicht selten litten meine Patienten 8 Wochen unter quälendem Husten, Schwäche, Abgeschlagenheit und Verschleimung der oberen Luftwege. Manche, gerade genesen, schnappten sich sofort den nächsten Infekt auf.

Ich bin schon ganz schwindlig - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Als die Welle nachließ, glaubte ich blauäugig normale Zeiten kehren ein. Aber nein, eine ausgeprägte Allergiefront beginnend mit der Hasel über die Birke bis heute zu den Gräsern, schloss sich nahtlos an. In den Arbeitsstrudel platzen dann doch immer mal „besondere“ Fälle. So vor drei Wochen. Schwindel… – Na ja an sich ja nicht ungewöhnlich in der HNO. Aber das täuscht.

Ursachen für Schwindel

Denn Schwindel hat viele Ursachen, eher häufiger außerhalb der HNO. Nur um einige Beispiele zu nennen: Störungen der Augen, neurologische Erkrankungen, Muskelerkrankungen und internistische Erkrankungen. Ja natürlich auch HNO-Ursachen.

Berühmt, einfach weil recht häufig, ist der sogenannte Lagerungsschwindel. Vereinfacht gesagt ist hier ein feines Kristall (Otokonie) in den Bogengang im Gleichgewichtsorgan hineingerutscht. Otokonien sind Tausendstel Millimeter kleine Kristalle, die sieben Tage nach der Geburt komplett ausgereift sind. Sie wirken im Gleichgewichtsorgan wie eine träge Masse: Werden die Kristalle beschleunigt, weil wir beispielsweise den Kopf drehen oder morgens aufstehen, dann wird das an das Gehirn weitergemeldet. Es entsteht eine Orientierung im Raum.

Durch das Hineinrutschen in das Gleichgewichtsorgan, kommt es zu zwei unterschiedlichen Meldungen, einmal vom gesunden und zum anderen vom blockierten Organ. Durch Übungen meist rasch heilbar. Hörsturzähnliche einseitige Ausfälle eines der Gleichgewichtsorgane können auch massiven Schwindel verursachen. Also kann in solchen, das Gleichgewichtsorgan betreffenden Fällen, die HNO helfen.

Ein sehr spezieller Fall

In dem Fall jedoch, war die HNO die letzte Anlaufstelle, weil ja schon alles andere vom Augenarzt, Internisten, Neurologen und Radiologen als völlig gesund diagnostiziert worden war. Und in der HNO? Ja kaum zu glauben, aber alle Untersuchungen waren völlig normal. Also kein Schwindel, der durch eine Störung der Gleichgewichtsorgane ausgelöst worden war.

Nun herrscht natürlich Verzweiflung. In allen Fachgebieten Diagnose „Gesund“. Jung, sportlich und durchtrainiert. Keinerlei Anhaltspunkte für eine Erkrankung. Und doch massiver Schwindel, der sogar das alleine Gehen unmöglich machte. Und wie ging es weiter?

Im Labor – bei sonst völlig normalen Werten – war isoliert eine schwache Reaktion auf Borreliose messbar. Kann eine Borreliose solche Symptome auslösen? Hier einmal eine kleine Auswahl häufiger Symptome:

  • Wanderröte (Erythema Migrans)
  • Benommenheit
  • Schwindel (Schwankschwindel, Drehschwindel)
  • chronische Müdigkeit und Erschöpfung
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Fieber
  • Halsschmerzen
  • Tinnitus, Ohrensausen, Ohrenpfeifen
  • Sehstörungen (Sternchen Sehen, verschwommen Sehen, Blitze)
  • …und einige andere

Dennoch herrschte Unklarheit, ob die Verdachtsdiagnose korrekt war. Die schwache Reaktion alleine ist kein Beweis für eine Borreliose. Eine Antibiotikatherapie durch den Internisten läuft, es geht deutlich besser. Vielleicht ist es wirklich eine Borreliose.

Das Symptom Schwindel macht uns Ärzten viele Sorgen, denn letztlich ist das Problem oft nur interdisziplinär zu lösen. Unsere Patienten brauchen oft eine gehörige Portion Geduld, bis der Auslöser gefunden und behandelt wird.

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