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Ich habe die Nase voll…!

von Dr. Richard Kirchmair

Immer wieder bekomme ich auf meine Frage „Was führt sie denn in meine Praxis“ die Antwort „Doc, ich habe die Nase voll“

Au weia, da geht das Kopfkino los. Hinter einer solchen Aussage können sich zahllose Probleme verstecken.

Ich habe die Nase voll…! - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Also muss ich natürlich genauer nachfragen.

Nicht gerade selten stecken Probleme mit der Nasenatmung dahinter. Also höre ich auf mein Nachfragen, die Antworten: ich bekomme schlecht Luft durch die Nase, nächtliches Schnarchen, Mundatmung, häufige und lang anhaltenden Infekte der oberen Luftwege, aber auch Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Bluthochdruck können Symptome sein. Gerade auch in der Entwicklung und während des Kopfwachstums resultieren Probleme mit den Zähnen, der Zahnstellung oder auch Schwierigkeiten mit dem Biss. Die Kieferorthopäden können ein Lied davon singen. Kopfschmerzen höre ich als Begründung schon seltener. Auch den psychologischen Aspekt darf ich nicht vernachlässigen.

Wie geht es weiter?

Zuerst einmal die körperliche Untersuchung. Endoskopie der Nase („der hat mir so ein dünnes, langes Stäbchen in die Nase gesteckt“), des Nasenrachens (also vereinfacht „was steckt hinter dem Zapferl oben“). Natürlich interessiert auch der Mundraum, der Zahnstatus und nicht zuletzt die Zungenwurzel und der Kehlkopf. Die Suche nach einem mechanischem Hindernis! Nasenpolypen, kindliche Polypen (die adenoiden Vegetationen), chronischen Schwellungen der Nasenmuscheln und Hinweise auf chronischen Entzündungen.

Je nach den erhobenen Befunden kann dann der Allergietest, die Durchflussmessungen der Nase (Rhinomanometrie) oder sogar eine Schichtaufnahme der Nase und der Nasennebenhöhlen notwendig sein.

Hinter einer nächtlichen Behinderung der Atmung kann sich natürlich auch das berühmte Schnarchen oder gar eine Störung der Atmung mit krankhaft häufigen Atemaussetzern (Schlaf-Apnoe) stecken. Natürlich ist in dem Fall eine nächtliche Messung mit einem geeichten Gerät nötig. In letzter Zeit erhalte ich erfreulich gute Hinweise aus den Tracking Methoden im Rahmen verschiedener Messmethoden des gesunden Lebensstils. Einmal über Fitnessarmbänder und -uhren, über Matten, die die Schlafqualitäten aufzeichnen oder über einen Ring den man unauffällig wie ein Schmuckstück trägt. Die Vorabinformationen sind hochinteressant. Dennoch sollte valide „gemessen“ werden. Nicht zwingend gleich im Schlaflabor, aber zumindest ambulant im eigenen Bett.

Dann gehts zum Ordnen der Befunde.

Mechanische Störungen wie Verkrümmungen der Nasenscheidewand können operiert werden. Schwellungen der Nasenschleimhäute oder Nasenpolypen kann man möglicherweise auch medikamentös behandeln. Störungen der nächtlichen Atmung lassen sich in einigen Fällen sogar alleine mit einer Lifestyle Veränderung behandeln.

Eine Behandlung sollte auf jeden Fall erwogen werden. Leistungsdefizite, Dauerstress durch eine falsche Atemmechanik, Bluthochdruck, chronische Infekte bis hin zum Asthma sind potentielle Gefahren.

Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Behandlungsoptionen! Der Automatismus, den immer noch viele Patienten fürchten, „der HNO schickt mich immer zum operieren“, der ist schon lange nicht mehr so logisch oder gar automatisch.

Jeder Mensch braucht hier einen individuellen Behandlungsansatz. Trauen sie sich!

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