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Importierte Allergene: Exotik in Good Old Germany?

von Dr. Richard Kirchmair

Klingt nicht nur absurd, sollte es aus allergologischer Sicht sogar sein!

Aufregender, erlebnisreicher und vor allem exotischer: so sollen die Reiseziele heutzutage am besten sein. Dem stressigen Alltag entfliehen, das Rundum-Sorglos-Paket lässt uns zwei Wochen in eine andere Welt eintauchen, es geht uns wunderbar! Alles vollkommen legitim, sogar wichtig!

Doch wenn die Exotik nicht im Urlaub bleibt, sondern Einzug auf Balkonien erhält, wird der paradiesische Zustand gar viel zu schnell irdisch: die allergologische Keule schlägt gnadenlos zu! Und womit? Mit Recht!

Importierte Allergene: Exotik in Good Old Germany? - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Warum nur lernen wir nichts dazu?

Ungewöhnlich früh für die Jahreszeit fliegen schon viele Birkenpollen, der häufigste Allergie-Auslöser in Deutschland. Tja, was soll man sagen?! Die Birke kommt eigentlich aus Skandinavien und ist von deutschen Landschaftsgärtnern zu uns ins Land geholt worden. Ein hausgemachtes Problem also – leider aber ein gravierendes. Und ähnlich geht es uns jetzt mit dem hübschen Olivenbäumchen und anderen importierten Pflanzen.

Warum gönnen wir den Griechen nicht wenigstens das Monopol der Olive, wenn sie sich schon in der Wirtschaft nicht über ein solches freuen dürfen? Ist der Berliner Alexanderplatz olivgrün wirklich nun so viel adretter anzusehen? Wie erholsam war doch der Hauptstadtkaffee, bevor wir auch dabei nun von Niesanfällen geplagt werden!

Das deutsche Mittelmeer? Das sollte einem wirklich spanisch vorkommen!

Nichts Geringeres als kaukasische Baumhasel, heroische Olivenbäume und Mittelmeerzypressen pflanzen wir in unsere Gärten. Mediterranes Flair im kalten Norden – schmunzeln muss man dabei ja schon ein wenig. Wunderhübsch sind sie anzusehen, die neuen Bäumchen, aber aus allergologischer Sicht stellen gerade Olivenpollen ein großes Problem dar.

In Südeuropa sind sie das wichtigste Allergen zur Entstehung von allergischen Erkrankungen, da sie sehr große Pollenmenge produzieren. Noch leiden in Deutschland relativ wenige unter einer Olivenallergie. Wer nach dem Essen von Oliven und Olivenöl ein Jucken im Hals oder Mund spürt, kann aber eine Allergie gegen die Olive entwickelt haben.

Schlimmer geht leider immer!

Bereits anderweitig betroffenen Allergikern macht die neue Exotik, von der wir nicht genug bekommen können, sehr zu schaffen. Ihre Leidenszeit wird über das ganze Jahr ausgedehnt. Zypressen passen sich beispielsweise an das Klima an und stehen im Winter in ihrer vollen Blüte. Die Konsequenz ist, dass schon im Januar und Februar mit einem massiven Pollenausstoß zu rechnen ist.

Die Erholungszeit für Allergiker wird somit immer kürzer, Lungen Bronchien und Nasenschleimhaut fehlt die Regeneration, aus dem harmlosen Heuschnupfen entwickelt sich womöglich ein allergisches Asthma.

Leider fehlen für viele exotische Pflanzen und neuere Allergene hierzulande (noch) die Testlösungen zur Hyposensibilisierung.

Nicht jedem Trend muss gefolgt werden!

Besinnen wir uns also und lassen wenigstens die Götterbäume in deren heimischen Gefilden. Stünde unserer Bescheidenheit auch besser …

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