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Kreuzallergie: Was macht die Birken­polle mit dem Apfel?

von Dr. Richard Kirchmair

Die letzten Jahre waren für viele meiner allergischen Patienten mit starken Beschwerden in der Blühzeit verbunden. Gerade Birke und Lieschgräser sorgten für viele Einschränkungen. Ich habe immer gehofft, dass die milden Winter einen relevanten Anteil an der gefühlten Zunahme der Beschwerden hatten.

Also bin ich hoffnungsvoll in 2021 gestartet. Ein eher kühler und langer Winter, so hoffte ich, macht es uns Allergikern einfacher.

Kreuzallergie: Was macht die Birken­polle mit dem Apfel? - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Und? Linderung?

Nach dem Baumpollenflug stecken wir nun mitten in der Gräserpollenzeit. Und? Linderung? Fehlanzeige, manche leiden sogar noch intensiver als in den vergangenen Jahren.

In den letzten Wochen häufen sich auch wieder die Beschwerden auf Lebensmittel

Reaktionen auf Lebensmittel, insbesondere Zungen- und Lippenschwellungen können natürlich auch Allergien auf die Nahrungsbestandteile sein. Ist aber keine Nahrungsmittelallergie nachweisbar, kommen eben Kreuzallergien auf Pollen in Frage.

Das Immunsystem ist leider nicht unfehlbar

Das Immunsystem verwechselt in diesem Fall Eiweißbausteine der Pollen mit Aggressoren und stuft sie als gefährlich ein. Im Mund, Rachen und letztlich auch im Darm können dann intensive Abwehraktionen ablaufen. Naselaufen, Lippen- und Zungenschwellungen sind mögliche Folgen. Auch Atem- und Darmbeschwerden können auftreten. Quaddeln, Schwellungen und Hautausschläge. Proteine in Lebensmitteln, die diesen Pollenproteinen ähnlich sind, führen hier zu Verwechslungen. Das Immunsystem bekämpft dann diese Lebensmittelbausteine, als ob es Pollen wären. Eine Sensibilisierung auf diese Lebensmittel muss gar nicht vorliegen.

Oft werden so mehrere Lebensmittel nicht mehr gut vertragen. Ein Birkenpollenallergiker reagiert oft auf Apfel, Nüsse und Karotten. Obwohl viele der Eiweißbausteine hitzestabil sind, werden gekochte Lebensmittel meist besser vertragen. Der roh geriebene Apfel etwa, kann durchaus heftige Reaktionen auslösen, während der Apfelkuchen gut vertragen wird (Nein, nein! Mir schmeckt beides!)

Lieschgrasallergiker reagieren oft auf Roggen, Hafer, Kiwi, Pfirsich, Tomate und Zwiebel. Ja auch wieder gekocht wird es besser vertragen.

Gestiegene Herausforderungen an Diagnostik und Behandlung

Ein Beispiel aus meiner Praxis zeigt, dass es tricky sein kann. Nach Genuss eines Proteinshakes kam es bei dem Patienten zu massiven Reaktion mit Zungenschwellung und sogar Atemnot. Das ist ja sicher eine Sojaallergie dachte ich mir, als der Patient mit seinem Proteinpulver bei mir seine Beschwerden schilderte. Um so größer meine Überraschung, keinerlei Reaktionen auf alle Inhaltsstoffe. Ein hochwertiges Produkt ohne Konservierungsstoffe, Erst mal war ich überrascht. Eine so heftige Reaktion, die zu einem Notarzteinsatz führte und keine Allergie.

Des Rätsel Lösung war eine Kreuzallergie auf Hülsenfrüchte. Das Problem wird uns in Zukunft noch viel häufiger beschäftigen, denn gerade Hülsenfrüchte werden ja in der Fleischersatzproduktion eingesetzt.

Die Herausforderungen an die Diagnostik und Behandlung steigen!

Die Behandlung: Lebensmittel auf die starke Reaktionen auftreten, sollten gemieden werden. Oder eben der Apfelkuchen und die gedünsteten Möhren, dem rohen Produkt vorgezogen werden.

Wenn Sie derartige Reaktionen an sich feststellen, wenden sie sich an ihren Arzt!

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