Blog

Lebensmittel­allergie: Soforttyp vs. Unverträg­lichkeit

von Dr. Richard Kirchmair

Ja was kann man denn überhaupt noch essen?

Die Frage trifft auch den HNO Arzt, der allergologisch tätig ist. Meist von frustrierten Patienten gestellt, denen eine unendliche Liste von Lebensmittelunverträglichkeiten ausgehändigt wurde.

Mit Unverträglichkeiten ist jedoch keine Allergie vom Soforttyp gemeint. Heute soll es eben um Lebensmittelallergien vom Soforttyp gehen. Ein oft bekanntes Beispiel ist die Allergie auf Erdnüsse. Diese Reaktionen sind so heftig, dass sogar Lebensgefahr bestehen kann.

Lebensmittel­allergie: Soforttyp vs. Unverträg­lichkeit - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Was ist denn überhaupt eine Allergie auf Lebensmittel?

Wie in den letzten Blogs schon erklärt, reagiert das Immunsystem auf an sich harmlose Eiweißbausteine. Im Falle der Lebensmittel, eben auf Eiweißstoffe in den Lebensmitteln. Die Folge können eine sehr große Bandbreite von Reaktionen sein. Am bekanntesten sind wohl die Schwellungen der Schleimhäute im Bereich der Lippen, der Zunge und des Rachens bis hinunter in den Bereich des Kehlkopfes. Ein allergischer Schock bis hin zum Herz-Kreislaufstillstand könnte auftreten. Aber auch Juckreiz, Husten, Hautausschlag, Nesselsucht, Übelkeit und Erbrechen, seltener Durchfall können entstehen.

Auch hier gibt es typische Verdächtige. Nüsse, Fische, Kuhmilch und Hühnerei sind hier an der Spitze. Natürlich kann prinzipiell auf jedes Nahrungsmittel eine allergische Reaktion auftreten.

Wenn das Immunsystem des Körpers eben auf natürliche Eiweißbausteine der Lebensmittel reagiert, dann ist das eine Allergie vom Allergietyp I der sogenannten Sofortreaktion.

Warum?

Eine gute, bisher nur sehr ungenau geklärte Frage. Die Sensibilisierung auf Lebensmittelproteine betrifft 4 bis 6 % der Kinder und etwa 2 bis 3 % der Erwachsenen. Die Lebensmittelallergien, wie etwa auf Hühnereiweiß, verlieren sich bei Kindern im Laufe der Jahre oft. Lebensmittelallergien im Erwachsenenalter sind meist konstant vorhanden. Es gibt Beobachtungen, dass Kaiserschnittgeburten häufiger betroffen sein könnten. Es gibt auch Hypothesen, dass überdurchschnittliche Hygiene diese Allergien begünstigen. Die größte Rolle scheinen genetische Faktoren zu spielen. Wenn in einer Familie Blutsverwandte betroffen sind, ist das Risiko an einer Allergie zu erkranken höher. Auch die atopische Dermatitis erhöht das Risiko, da über die gestörte Hautbarriere leichter eine Sensibilisierung vonstatten geht.

Diagnose

Schon wieder kann es gar nicht so leicht sein, auf eine Spur zu kommen. Beim Kleinkind zum Beispiel treten Durchfälle und Erbrechen auf. Also wieder wichtig, die Idee zu haben und abzuklären. Denn neben den einfachen und wegweisenden Symptomen  Erdnuss  kurz später Lippenschwellung, Zungenschwellung und Atemnot - gibt es ja oben beschriebene große Bandbreite, bis hin zu Quaddeln auf der Haut. Die ja an jeder Körperregion auftreten können.

Die Diagnostik läuft wie bei allen Sofortreaktionen ab. Hauttestungen, Bluttestungen und Provokationsuntersuchungen (nur wenn die Diagnose nicht schon sicher steht).

Was bringt denn die Diagnose? Sie ist sehr wichtig, da ja die Beschwerden zuverlässig auftreten und im schlimmsten Fall auch mal sehr dramatisch ablaufen können.

Aber nun, was machen?

Ja das ist bei den Lebensmittelallergien vom Soforttyp sehr eindeutig. Alle Lebensmittel, die eine Allergie auslösen, weglassen. Konsequent und absolut. Ja die Inhaltsangaben auf den Packungen müssen genau studiert werden. Im Restaurant muss man nachfragen.

Was aber, wenn ein Betroffener doch ein Allergen zu sich nimmt? Dann kommt das Notfall-Set zum Tragen.

Ein Lebensmittelallergiker sollte dieses Notfall-Set bei sich führen:

  • Flüssiges Antihistaminikum
  • Flüssiges Kortison
  • einen Adrenalin-Autoinjektor
  • ein Bronchien erweiterndes Notfall-Spray

Und langfristig?

Es wird, oft im Rahmen von Studien, versucht eine orale Toleranz induzieren. Zu Beginn meist sogar stationär, werden kleinste Mengen des Allergens zugeführt. So soll der Körper langsam eine Toleranz aufbauen.

Zurück zur Eingangsfrage. Was kann ein Lebensmittelallergiker denn Essen? Gerade bei Kindern ist es oft gar nicht so einfach, das Allergen wegzulassen. Hühnerei etwa ist schon sehr weit verbreitet. Es gibt geschulte Ernährungsberatende, die in komplexen Problemsituationen die Betroffenen beraten. Also nicht verzagen.

Nicht immer ist es so einfach, wie bei der Erdnussallergie. Sogar hier gibt es jedoch Problemsituationen. Der Erdnussallergiker kann ernsthaft Beschwerden entwickeln, wenn im Flieger etwa, der Sitznachbar einen Erdnussriegel zu sich nimmt.

Die Abschlussbitte kennen meine Leser schon. Allergien sind tricky und gehören gut diagnostiziert. Bitte fragen sie ihre ärztlichen Ansprechpartner.

Zurück

Artikel teilen