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Legionellen – Trinkwasseruntersuchung

von Dr. Richard Kirchmair

Was könnte passiert sein, wenn sich eine komplette Wohnanlage im nahegelegenen Schwimmbad morgens zum Duschen trifft? Spezielle Form der Nachbarschaftspflege oder doch eher weniger romantische Gründe?

Legionellen – Trinkwasseruntersuchung - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Trinkwasserverordnung

Die Trinkwasserverordnung sieht vor, dass Anlagen, die über mehr als 400 Liter Speichervolumen und/oder Warmwasserleitungen mit mehr als drei Liter Inhalt zwischen dem Trinkwassererwärmer und der Entnahmestelle verfügen, alle drei Jahre auf Legionellen untersucht werden müssen.

Achtung: Der Pflicht müssen Sie als Gebäudebetreiber unaufgefordert nachkommen, sonst droht ein Bußgeld bzw. im schlimmsten Fall eine Anzeige.

Welche Gefahr geht von Legionellen aus?

Legionellen sind Stäbchenbakterien und der Auslöser für die sogenannte Legionärskrankheit, einer schweren Form der Lungenentzündung, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Sie kann sich auch als Atemwegsinfekt mit Husten, Fieber und Muskelschmerzen festsetzen. Es handelt sich um Krankheitserreger, die vor allem für immungeschwächte Personen gefährlich sind.

Wo kann ich mich anstecken?

Legionellen gelangen über Aerosole (Tröpfchennebel) in die Atemwege. Sie leben und vermehren sich vor allem in Ablagerungen von Warmwasser-Leitungssystemen unter 50°C. Besondere Gefahr geht aus von schlecht gewarteten Anlagen, Systemen mit unzureichender Wasserzirkulation sowie von großen Warmwasseranlagen wie in Hotels, Krankenhäusern, Schulen, etc.

Über das Trinken von kontaminiertem Wasser erfolgt keine Infektion! Eine gegenseitige Ansteckung ist nicht möglich.

Welche Maßnahmen müssen bei einer Grenzüberschreitung des Maßnahmewerts (100KBE/100ml Wasser) getroffen werden?

  • Information an das Gesundheitsamt (wird meist von der beauftragten Firma übernommen); je nach Legionellenanzahl muss das Wasser abgekocht werden bzw. wird ein Duschverbot von Seiten des Gesundheitsamts verhängt.
  • Information der Bewohner
  • Erstellen einer Gefährdungsanalyse und Ursachenklärung
  • Erweiterte Wasserbeprobung
  • Thermische oder chemische Desinfektion bzw. Sanierung der Anlage und Leitungen
  • Nachuntersuchungen im Abstand von drei Monaten
    • positiver Befund: Weitere Maßnahmen in Absprache mit dem Gesundheitsamt nötig
    • negativer Befund: Nächste Untersuchung nach einem Jahr

Was kann man vorbeugend tun?

Trotz der hervorragenden Wasserqualität hierzulande werden Anlagen positiv auf Legionellen getestet. Durch einfache Maßnahmen können Sie dazu beitragen, dass Legionellen in Ihrem Wohngebäude (fast) chancenlos sind:

  • Nach längerer Abwesenheit: Drehen Sie an allen Wasserentnahmestellen das Wasser auf, damit das in der Leitung stehende Wasser abfließen kann. Dies ist auch im Urlaub in fremden Gebäuden/auf Campingplätzen sinnvoll.
  • Entkalken Sie regelmäßig Ihre Perlatoren und Duschköpfe; tauschen Sie diese ggf. aus.
  • Stellen Sie die Temperatur der Anlage auf mindestens 60 °C ein.
    Achtung: Verbrühungsgefahr
  • Regelmäßige Wartung der Warmwasseranlage durch eine Fachfirma

So sollte garantiert sein, dass das Duschen wieder zur Privatangelegenheit wird – gute Nachbarschaft hin oder her!

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