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Pippi Langstrumpf und Pfarrer Kneipp – ein kongeniales Paar …

von Dr. Richard Kirchmair

Sei frech, wild und wunderbar!

Wie herrlich und bunt wäre doch die Welt, wenn sich alle Mädchen (und deren Mütter ☺) an Astrid Lindgrens Credo für ihre Pippi Langstrumpf halten würden. Den ganzen Tag Süßigkeiten essen, der Prusseliese Streiche spielen und ungewaschen bleiben – ein wahrer Kindertraum!

Pippi Langstrumpf und Pfarrer Kneipp – ein kongeniales Paar … - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Umso seltsamer (oder vielleicht doch nicht?!) mutet es nun an, dass ausgerechnet ein Duschbad mit diesem Leitsatz wirbt. Und derjenige, dessen Name dafür hergenommen wird, ist kein geringerer als der von Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897). Dieser, so darf man annehmen, wäre zwar zumindest erstaunt darüber und das Phänomen des Wohlfühl-Warmduschers mit Aromadusche würde sich ihm wohl nicht erschließen, aber dass das Wasser zum Wohlbefinden beiträgt, dahinter würde er komplett stehen.

Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.
- Pfr. Kneipp

Den Sommer werden wir nun wohl endgültig hinter uns lassen und mit Beginn des Herbstes – mag er auch noch so golden sein – sieht sich unser Immunsystem wieder mit zahlreichen Eindringlingen konfrontiert. Nicht alle werden wir abwehren können, aber der ein oder andere Teil der Kneipp’schen Gesundheitslehre trägt sicher dazu bei, dass die Infektanfälligkeit bei konsequenter Anwendung sinkt.

Skeptisch?

Man weiß, wie seine Widersacher
Aufpaßten wie die Haftelmacher,
Ob man nicht endlich, Pfuschens halber,
Erwischen könnt den Erzquacksalber,
Ob nicht ein einzig Mißgeschick Ihm brechen könnte das Genick.
Doch hatte Kneipp nichts zu vertuschen,
Sein „Wunderheilen“ war kein Pfuschen;
Und von Geheimnis keine Spur: Er diente Gott und der Natur!
- Eugen Roth

Und wer sich von Eugen Roth und seiner Heiteren Kneipp-Fibel nicht überzeugen lässt, dem sei gesagt, dass das Kneippen seit 2016 zum Immatriellen Kulturerbe der Unesco gehört.

Doch was hat es damit auf sich?

Die Kneipp’sche Lehre umfasst die Wasser-Therapie, die Kräuterheilkunde, die Bewegung, die Ernährung und den Lebensstil (Ordnung).

Die Wasseranwendungen bezeichnete Kneipp als den Zündfunken für den Körper zur Stärkung der Abwehrkräfte, des vegetativen Nervensystems und zur Regulierung und Harmonisierung des Organismus und seiner Funktionen.

Wickel, Bäder, Güsse, Packungen, Auflagen und Kompressen, Dampf-Anwendungen und Kälte- sowie Luftreize sind die Elemente der Hydro-Thermo-Therapie.

Entspannende Armbäder wirken sich beispielsweise positiv bei krampfartiger Bronchitis und Asthma bronchiale aus. Aber auch die Sauna (ohne Zusätze!) hat sich für Asthmatiker besonders bewährt. Sie trainiert die Regulation der Atemwege und macht resistenter gegen zusätzliche Infektionen, die sich bei gleichzeitigem Asthma besonders ungünstig auswirken.

Der Wadenwickel ist wohl das bekannteste kneipp’sche Hausmittel und auch eines der gefürchtetsten. Wer kann sich nicht an Mutters triumphierenden Gesichtsausdruck erinnern („Ich weiß, was zu tun ist!“), wenn sie einem viel zu kalte Tücher um die Waden wickelte und das Zähneklappern letztlich das Fieber übertünchte. Gerade bei Kindern sollte die Temperatur nur 2 bis 5 Grad unter der Fiebertemperatur liegen. Wadenwickel sollten niemals im Fieberanstieg eingesetzt werden und auch nur bei hohem Fieber.

Es ließen sich noch viele weitere Anwendungen aufzählen. Bei Interesse führen wir gerne das ein oder andere weiter aus. Die Kneipp’sche Lehre zeigt also durchaus seine Wirkung!

Ob wohl deshalb eines der Männerduschbäder „Startklar“ heißt …

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