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Schnelltests: Ein Game Changer?

von Dr. Richard Kirchmair

Ich weiß, wir alle können das C… Wort nicht mehr hören oder lesen. Ich zumindest sehne mich nach einer gewissen Normalität. Vorsichtsmaßnahmen, AHA und so manches andere werde ich liebend gerne weiter beachten. Schön und gut.

Schnelltests: Ein Game Changer? - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Aber wieder einmal Bummeln gehen, mit Freunden Essen oder nur einem anderen Menschen begegnen ohne eine gewisse Sorge in dessen Augen zu erkennen. Ja, das würde mich sehr freuen.

Nun also soll uns, neben der Impfkampagne, das Schnelltesten weiter bringen. Neben den PCR-Tests, nun also Schnelltests und Selbsttest.

Was bedeutet das genau? Welche Testverfahren gibt es denn grundsätzlich?

PCR-Tests und PCR-Schnelltests

Dies Tests benötigen geschultes Personal. Sind relativ genau. Fehlerquoten, haben diese Testverfahren natürlich auch. Denn die Qualität der Testgewinnung spielt schon eine große Rolle. Diese Test sind aber nicht mein heutiges Thema.

Antigentest

Diese Verfahren kennen wir seit einigen Monaten in meiner Praxis. Es wird ein Teststäbchen in den Nasenrachen geschoben. Entweder über den Rachen oder über die Nase. Manche machen sicherheitshalber beides. Das Abstrichstäbchen kommt dann in eine Testkartusche mit einer Extraktionsflüssigkeit. Im Anschluss wird die gewonnene Testflüssigkeit auf eine Testkassette getropft. Meist nach spätestens 15 Minuten kann man das Ergebnis ablesen. Verfahren und Ergebnis Gewinnung erinnern nach dem Abstrich an einen Schwangerschaftstest. Die Zuverlässigkeit hängt natürlich von der Qualität der Probengewinnung, der exakten Durchführung und nicht zuletzt von der Qualität des angebotenen Antigentest ab. Sinn macht so ein Schnelltest vor allem, wenn bereits Symptome vorliegen. Auch bei Menschen mit hohem Ansteckungspotenzial (sog. Supersprerader), die noch keine Symptome haben, machen diese Tests Sinn.

Seit kurzer Zeit gibt es nun auch Antigentestungen zum Selbsttest. Prinzipiell funktionieren die Selbsttest wie schon die Antigentests. Meist reicht eine Probe aus dem Naseneingang, Rachen oder Spucke aus. Auch hier gilt wie oben. Die Fehlerquellen liegen in der Materialgewinnung und in der Genauigkeit der Testsysteme. Es ist schon wichtig genug Material aus der Nase zu gewinnen. Ein „bissl Hintupfen“ ist nicht ausreichend! Ordentlich reiben und Material gewinnen!

Spezifität und Sensitivität

Grundsätzlich sollten die Tests eine hohe Spezifität und eine hohe Sensitivität aufweisen.

Vereinfacht gesagt heißt das, dass ein erkrankter Mensch auch ein korrektes positives Ergebnis erhält (Sensitivität). Bei einem Test mit 95% Sensitivität erhalten also 95 von 100 Menschen ein korrektes Ergebnis. 5 werden negativ getestet, obwohl sie positiv sind. Sie erhalten also ein falsch negatives Ergebnis.

Und ein gesunder Mensch ein korrektes negatives Ergebnis erhält (Spezifität).

Analog erhalten also bei 90 % Spezifität 90 Gesunde ein korrektes Ergebnis. 10 erhalten ein falsches, also falsch positives Ergebnis.

Neben diesen Faktoren ist der Zeitpunkt der Testabnahme auch wichtig. Ist die Viruslast gering, gerade am Anfang oder gegen Ende einer Infektion kann das Ergebnis noch falsch negativ sein, obwohl eine Infektion vor- oder noch vorliegt. Auch Patienten, die bereits geimpft sind, sind nach meiner Erfahrung in Antigentests leichter einmal negativ, obwohl die typische Corona-Symptomatik vorliegt und die PCR dann die Infektion bestätigt.

Daher ist der Zeitpunkt der Testung auch hier entscheidend und stellt ebenfalls immer nur eine Momentaufnahme dar. Ein positives Ergebnis hingegen spricht wahrscheinlich für das Vorliegen einer Infektion und muss mittels eines PCR-Tests bestätigt werden. Danach richtet sich auch die Meldepflicht an das Gesundheitsamt.

Werden die Schnelltests Game Changer?

Werden sie also zum wesentlichen Faktor, der die Pandemie beendet? Sie sind ein Baustein. Letztlich werden wir nur durch rascheres Impfen und eine vernünftige Kontaktverfolgung wesentlich weiter kommen.

Ein Blick auf den Strand von Haifa heute morgen beweist, dass es möglich ist.

Wollen wir alle dazu beitragen!

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