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Wenn der Mann im Ohr dreimal klingelt

von Dr. Richard Kirchmair

Kennen Sie das? Sie hören zusätzlich zu den alltäglichen Geräuschen, also den vielen Schallwellen noch so ein Fiepen? Oder ein Rauschen, Knacken, Klingeln oder Klopfen? Das ist ein sogenannter „Tinnitus“.

Hörprobe: Sinuston 440 Hz

Wir unterscheiden einen objektiven Tinnitus von einem subjektiven Tinnitus.
Objektiv, weil eine Schallquelle in der Nähe des Innenohrs wahrgenommen wird, d.h. sie ist von außen messbar. Ursachen dafür können sein ein profaner Bluthochdruck, aber auch Gefäßmissbildungen im Ohr, ein Gaumensegel, das macht, was es will und schnell hin- und her zittert oder Muskelverspannungen an der Kaumuskulatur sein. Um nur so einiges zu nennen.

Der subjektive Tinnitus ist eher eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Hörsystem. Es gibt keine äußere, für andere wahrnehmbare Geräuschquelle – auch nicht für uns, also nicht messbar.

Wenn der Mann im Ohr dreimal klingelt - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Als ganz einfacher Auslöser, um mal Ursachenforschung zu betreiben, ist der Fremdkörper im Gehörgang zu sehen. Da reicht auch schon mal der Pfropfen aus Ohrschmalz. Gerade Nutzer von Ohropax sind hier des Öfteren mal betroffen. Sie schließen anfänglich mit dem Ohrverschluss die Geräusche zum Schlafen aus, um dann mit einem Pfropf im Ohr des Nachts an den eigenen inneren Geräuschen zu verzweifeln.
Bitte versuchen Sie nicht selbst einem solchen Pfropfen Herr oder Frau zu werden, womöglich noch mit einem Wattestäbchen. Die können nämlich – mit ihnen zusammen - auch Verursacher eines Pfropfens gewesen sein.
Meist schiebt man sich bei der Reinigung mittels eines Wattestäbchens den Ohrschmalz eher weiter in den Gehörgang rein – wo er dann antrocknet, bleibt und sich auf wundersame Weise vermehrt.

Das Knalltrauma: fällt wohl eher in die Kategorie Silvester. Es sei denn, Sie stehen regelmäßig auf einer Schießanlage. Oder eins Ihrer netten Kinder lässt gerne einen Luftballon neben Ihrem Ohr platzen.

Natürlich können auch viele Erkrankungen einen subjektiven Tinnitus hervorrufen. Angefangen von der Mittelohrentzündung über virale und bakterielle Infekte, Tauchunfälle, Arzneimittel oder einer Kiefer- oder Zahnfehlstellung, die zu der sogenannten Craniomandibulären Dysfunktion führt – abgekürzt bekannt unter CMD. Dazu in gesonderten Artikeln aber mehr.

Die Begleiterscheinungen eines chronischen Tinnitus treiben viele Betroffenen fast in den Wahnsinn, oder können zumindest für Konzentrationsstörungen, Angstzustände, Schlafstörungen, ja gar Depressionen oder Arbeitsunfähigkeit mitverantwortlich gemacht werden. Medizinisch gesehen gibt es dafür keinen direkten Zusammenhang, bitte verstehen Sie das nicht falsch, aber es sind psychische Folgeerscheinungen.

Sie haben so ein Begleitgeräusch im Ohr und möchten ihm auf den Grund gehen?
Dann wäre auf jeden Fall, nach einer ausführlichen Anamneseerhebung durch den Arzt Ihres Vertrauens, ein sogenanntes Tinnitus-Matching von Vorteil.
Nein, nein, da spielen nicht zwei Tinnituspatienten gegeneinander. Es geht vielmehr darum, Ihre ureigene Hörschwelle herauszufinden.
Mittels eines Tonaudiogrammes, also einer Hörkurve, wird das subjektive Hörvermögen in den einzelnen Frequenzen festgehalten. Vom ganz tiefen Brummen (das sind die „Schmalbandgeräusche“) bis hin zum fiesen hohen Zahnschmerzton (das sind die Sinustöne – „Pfeifen- oder Flötentöne“) ist alles dabei. Und irgendwo zwischen diesen vielen Dezibel- und Hertz-Zahlen hören Sie – oder auch mal nicht. Das nennt man Frequenzbestimmung.

Wollen Sie gegen dieses permanente Geräusch im Ohr angehen?
Dann gibt es das Masking. Nein, kein Fasching. Beim Tinnitus-Masking wird das Tinnitusgeräusch bewusst durch ein anderes Geräusch, einem Rauschen, überdeckt. Gerade bei Ruhe kann dieses Rauschen als Hintergrundaktivität vom eigentlichen Tinnituston ablenken. Es kommt zur Beruhigung der Hörbahn im Gehirn, weil Patient sich nicht mehr permanent auf seinen Ton konzentriert, und somit dem Hirn nicht mehr diesen „Ton“ weiterleitet – auch wenn es ihn gar nicht in echt gibt.

Wenn Sie zu diesen geplagten Tinnituspatienten gehören – vertrauen Sie sich einem Spezialisten an. Damit Sie das bestmögliche aus dieser Situation machen.

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