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Von Wespen und allergischen Reaktionen

von Dr. Richard Kirchmair

Es ist wieder so weit. Die sowieso schon überfüllten Terrassen und Biergärten haben weiteren Zuwachs bekommen: Wespentaillen wohin man sieht. Ein Paradoxon? Nicht, wenn man mit Wespentaillen wirklich diese scharz-gelb-geringelten und beflügelten Insekten meint, die auf dem Obazd'n, den Würsteln oder der Schweinshaxe rumkraxeln und sich an Radler & Co. erfrischen.

Wie jedes Jahr grüßt der Wespenkampf – Zentimeter um Zentimeter wird um die Land- und Lufthoheit gerungen. David gegen Goliath. Wir Goliaths haben aber immer öfter unsere Achillesverse: die allergische Reaktion auf die stachelige Verteidigung.

Von Wespen und allergischen Reaktionen - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Was passiert mit unserem Körper, wenn uns der durchaus schmerzhafte Pieks dieses kleinen Wesens aus der Tierwelt trifft?

Mit dem Pieks wird aus Gründen der effizienteren Verteidigung, und somit des selbst in die Hand - ähm Stachel - genommenen Artenschutzes, ein Gift injiziert. Das tut weh. Lässt nach kurzer Zeit eine Schwellung und Rötung entstehen – Juckreiz inklusive. Und im besten Fall war es das denn auch. Manchmal bildet sich vielleicht noch neben der Einstichstelle ein kleiner Nesselausschlag oder im Kopfbereich – sollte dieses Viech einen unfairen Frontalangriff gestartet haben – eine Gesichtsschwellung.

Bleibt die lokale Reaktion bei einer Fläche unter 10 cm, brauchen wir uns im Allgemeinen keine Gedanken über eine allergische Reaktionsfreudigkeit zu machen.
Wenn sich aber die Schwellung auf über 10 cm ausbreitet und länger als 24 Stunden anhält, sollten wir immer an eine Allergie denken. Dafür muss man nicht mit dem Metermaß nachmessen, auch das visuelle Erfassen einer Mutation in Richtung Quasimodo ist ein durchaus legitimes Messverfahren.
Treten nun auch noch Übelkeit, Erbrechen und/oder leichte Atemnot hinzu, sollte man den Gang zum Arzt seines Vertrauens nicht scheuen.
Summieren sich gerade genannte Symptome in kürzester Zeit nach dem Stich in heftigster Art - inklusive eines Kreislaufkollaps - ist wohl ein anaphylaktischer Schock nicht weit. Und dieser kann lebensbedrohend sein.

Sie fragen sich jetzt, wie Arzt und Ärztin herauslesen können, ob es eine allergische Reaktion ist?

Dafür erklären wir zuerst einmal (heute nur kurz), was eine allergische Reaktion überhaupt ist:
Da ist was in unserem Körper, was unserer Truppe von Immunabwehrsoldaten nicht geheuer ist. Und manchmal reagieren sie über. Sie schicken eine Antikörper-Truppe raus – in diesem Falle die Truppe gegen Wespengift. Für jede von unserem Körper irgendwann mal als gefährlich eingestufte Substanz („du bist ein Allergen – du darfst hier nicht sein“) gibt es eine eigene Truppe. Diese überzogene Reaktion nennt man dann eine „allergische Reaktion“. Das kann berechtigt sein, muss es aber nicht – schließlich ist ein Apfel ja kein Wespengift. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Nun hat die Schlacht stattgefunden, Feind tot – aber auch die eingesetzte Truppe hat es nicht überlebt. Aber – unser Körper produziert wieder neue Antikörper – und zwar wieder solche, die gegen das Wespengift angehen. Das dauert so ca. 4 Wochen bis alles wieder beim Alten ist. Und dann kann man diese doch auch tatsächlich wieder im Blut nachweisen. Oder man fahndet über spezielle Hauttests nach diesen lustigen Burschen.
Im sogenannten „Pricktest“ zum Beispiel werden bestimmte Allergene – das sind die Stoffe, auf die Mensch allergisch reagiert – in die Haut geritzt.
Anhand der Reaktionen kann MedizinerIn – und auch Sie - visuell dann auch ganz gut erkennen, welches Antigen vorhanden ist. Und wenn man das weiß, kann man in besonders schweren Fällen eine Desensibilisierung vornehmen lassen – das heißt, dem Körper und seinen Abwehrtruppe nach und nach beibringen, dass der Feind gar kein Feind ist.

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