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Zungenschritt­macher: DIE neue Schnarch­behandlung?

von Dr. Richard Kirchmair

Neuigkeiten aus der Welt der Behandlung von Schnarchen und dessen Komplikationen

Das Googeln von Schnarchen erbringt Hunderttausende von Treffern! Also ein drängendes Problem. Viele „Schlafpartner“ leiden unter dem geräuschvollen Atmen!

Neuigkeiten werden natürlich begeistert wahrgenommen. Ich war gerade auf einer Fortbildung zu einer Neuerung. Der sogenannte Zungenschrittmacher, also letztlich eine elektrische Stimulation der Zungenschleimhaut. Aber der Reihe nach.

Zungenschritt­macher: DIE neue Schnarch­behandlung? - HNO-Privatpraxis Augsburg Dr. Richard Kirchmair

Es gibt unterschiedliche Schätzungen, aber etwa gut 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter nächtlichen Atemaussetzern. Einer sogenannten obstruktiven Schlaf-Apnoe. Hier kollabiert die Schlundmuskulatur und die Zunge fällt zurück und verlegt den Atemweg. Die eine Folge ist ein lautes Schnarchen, das zu fortgesetzten Problemen, aber auch zu nächtlichen Atemaussetzern führen kann. Die Folgen für die Gesundheit sind relevant. Wie in früheren Beiträgen ja schon geschrieben, steigt der nächtliche Spiegel an Stresshormonen an, die Psyche kann leiden und chronische Müdigkeit kann auftreten.

Es gibt natürlich auch die primären Schnarcher. Das heißt Menschen die Schnarchen und keine relevanten Atemaussetzer haben. Die Zahlen variieren sehr, aber gut 60 % der Männer und knapp die Hälfte der Frauen scheinen betroffen.

Die Routinebehandlung eines Schlaf-Apnoe-Syndroms ist die nächtliche Beatmung über eine sogenannte C-PAP Maske. Diese Maske baut, vereinfacht gesagt, Druck im Schlund auf und hält so die Atemwege offen. Wenn dieses Verfahren nicht wirkt oder auch nicht toleriert wird, dann kommt ggf. ein Zungenschrittmacher infrage. Zuerst wird eine Schlafendoskopie durchgeführt. Hierbei prüft man, während einer leichten Narkose, über ein Endoskop die Bewegung der Zunge und der Schlundmuskulatur. Bestätigt sich, dass durch den Kollaps der Zunge eine Verlegung der Atemwege vorliegt, dann kommt ein Zungenschrittmacher infrage. Zusätzlich darf aber keine schwere Störung vorliegen. Ab 35 Atemaussetzern in der Stunde etwa, kann das Verfahren nicht angewendet werden.

Was macht denn der Zungenschritt­macher?

Letztlich wird durch einen elektrischen Impuls der Zungennerv, der Servus hypoglossus stimuliert. Wie beim Herzschrittmacher wird ein Stimulator unter dem Brustmuskel implantiert. Eine kleine Elektrode überwacht am Zwerchfell die nächtliche Atmung. Droht ein Atemaussetzer wird der Zungennerv mit einem kleinen Stromstoß stimuliert und das Gewebe strafft sich. So wird das Zurückfallen der Zunge verhindert.

Die Vor- und Nachteile des Zungenschritt­machers

Die Vorteile des Verfahrens liegen auf der Hand. Das Systems wird fest implantiert, es ist heute leicht handhabbar, wird zum ins Bett gehen angeschaltet und am Morgen abgeschaltet. Die Erfahrungen bei geeigneten Patienten sind gut.

Die Nachteile sind ebenso klar. Es ist keine grundsätzliche Schnarchbehandlung. Sondern wirkt eben nur bei den Patienten, die unter dem Rückfall der Zunge und Atemaussetzern leiden. Eine zu krasse Störung mit Daueraussetzern lässt sich nicht gut behandeln. Ohne eine OP geht es noch nicht. Der Zungennerv könnte verletzt werden.

Zungenschrittmacher sind ja nun relativ neu, aber so neu auch wieder nicht. Wo sind die Neuigkeiten?

Es gibt ab sofort einen sog. Intraoralen Zungenstimulator. Vereinfacht gesagt ein Stimulator, den Betroffene in den ersten 6 Wochen täglich für 20 Minuten auf die Zunge legen. Dort findet eine „elektrische“ Stimulation der Zungenmuskulatur statt. Ab der 7. Woche, dann 2-3-mal pro Woche. Letztlich ein wenig wie das elektrische Muskeltraining, das Sie von Sportverletzungen mit Strom kennen. Vorteil: „unblutig“. So wird die Zungenmuskulatur austrainiert und gestrafft. In den bisherigen Studien berichten ca. 80 % der Betroffenen über deutliche Verbesserung des Schnarchens. Außerdem kann die Stimulation bei leichten Formen der Schlaf-Apnoe, also wohl bis zu 15 Atemaussetzern in der Stunde helfen.

Nachteile: Derzeit keine Kostenübernahme durch Krankenkassen, tägliches und dann lebenslanges Stimulieren. Beschränkung bisher nur auf leichtes Schlaf-Apnoe-Syndrom bis 15 Atemaussetzern in der Stunde. Aber eben bei primärem (isoliertem) Schnarchen wirksam. Wirksam bezieht sich in den bisherigen Studien auf ca. 80 % der Anwender, also bei 20 % der Patienten nützt die Stimulation nichts.

Eine neue Hoffnung für viele schnarchenden Schlaf-Apnoe Patienten.

Sprechen Sie Ihre Ärzte an!

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